Elterngeld beantragen 2026: Basiselterngeld, ElterngeldPlus & Antrag
Kurz gesagt: Elterngeld beträgt 65 % deines Netto-Einkommens (mindestens 300 €, maximal 1.800 € pro Monat). Es wird nach der Geburt deines Kindes für bis zu 14 Monate gezahlt. Den Antrag stellst du frühestens nach der Geburt bei der Elterngeldstelle deines Bundeslands.
Inhalt
- Was ist Elterngeld?
- Basiselterngeld, ElterngeldPlus, Partnerschaftsbonus
- Wer hat Anspruch?
- Höhe berechnen
- Benötigte Unterlagen
- Antrag stellen — Schritt für Schritt
- Typische Fehler
- FAQ
1. Was ist Elterngeld?
Elterngeld ist eine staatliche Lohnersatzleistung nach dem Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG). Ziel: Eltern den finanziellen Rückhalt geben, um sich in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes Zeit für die Familie zu nehmen — ohne gleich in finanzielle Schieflage zu geraten.
Es ersetzt einen Teil des wegfallenden Erwerbseinkommens, beträgt aber mindestens 300 € pro Monat — auch für Eltern, die vor der Geburt gar nicht gearbeitet haben. Reicht das Familieneinkommen dauerhaft nicht aus, kann zusätzlich der Kinderzuschlag infrage kommen.
2. Die drei Elterngeld-Varianten im Vergleich
| Variante | Dauer | Höhe | Wer profitiert? |
|---|---|---|---|
| Basiselterngeld | 12 Monate (+ 2 Partnermonate) | 65 % Netto, max. 1.800 € | Eltern, die voll pausieren |
| ElterngeldPlus | doppelt so lang (bis 28 Monate) | max. 900 € | Teilzeit-Eltern |
| Partnerschaftsbonus | 2–4 extra Monate | ElterngeldPlus | Beide Eltern 24–32 h/Woche parallel |
Du kannst die Varianten kombinieren — z. B. 6 Monate Basis und dann 12 Monate Plus. Das ist der Normalfall in der Praxis.
3. Wer hat Anspruch auf Elterngeld?
Alle vier Bedingungen müssen erfüllt sein:
- Du lebst mit deinem Kind in einem Haushalt.
- Du betreust und erziehst das Kind selbst.
- Du arbeitest nicht mehr als 32 Stunden pro Woche während des Bezugszeitraums.
- Du hast deinen Wohnsitz in Deutschland.
Einkommensobergrenze 2026: Elterngeld gibt es nur, wenn das zu versteuernde Jahreseinkommen des Elternteils unter 200.000 € (Paare) bzw. 150.000 € (Alleinerziehende) liegt. Der Gesetzgeber hat diese Grenze ab 2024 schrittweise gesenkt.
Anspruchshaber (nicht abschließend)
- Arbeitnehmer (Vollzeit, Teilzeit, Minijob)
- Selbstständige
- Studierende / Auszubildende
- Arbeitslose
- Hausfrauen/Hausmänner (dann Mindestbetrag 300 €)
- Adoptiveltern
- Väter und Mütter gleichermaßen
4. Wie wird die Höhe berechnet?
Bemessungsgrundlage: das durchschnittliche Netto-Einkommen der 12 Monate vor Geburt (bei Angestellten) bzw. der letzte abgeschlossene Veranlagungszeitraum (bei Selbstständigen).
Ersatzrate:
| Netto vor Geburt | Ersatzrate |
|---|---|
| unter 1.000 € | bis zu 100 % (gleitend steigend) |
| 1.000 – 1.240 € | 67 % |
| 1.240 – 1.500 € | gleitend 67 % → 65 % |
| über 1.500 € | 65 % |
Geschwisterbonus: Wenn ältere Kinder im Haushalt leben, gibt es + 10 % / mindestens 75 € monatlich.
Mehrlingszuschlag: + 300 € pro zusätzlichem Kind (z. B. Zwillinge).
Praxis-Beispiel: Netto vor Geburt 2.400 € → Basiselterngeld = 2.400 × 0,65 = 1.560 € / Monat für 12 Monate.
5. Benötigte Unterlagen
| Dokument | Für wen |
|---|---|
| Geburtsbescheinigung "für Elterngeld" | alle |
| Personalausweis beider Eltern | alle |
| Einkommensnachweise der letzten 12 Monate | Angestellte |
| Steuerbescheid des Vorjahres | Selbstständige |
| Bescheinigung Mutterschaftsgeld | Mütter |
| Arbeitgeber-Bescheinigung Elternzeit | Angestellte |
| Kontoverbindung | alle |
| ggf. Nachweis Krankenversicherung | Selbstständige |
6. Antrag stellen — Schritt für Schritt
- Vor der Geburt planen — gemeinsam entscheiden, wer wie lange zu Hause bleibt und welche Variante ihr wählt. Elterngeldrechner nutzen.
- Nach der Geburt Geburtsurkunde "für Elterngeld" (kostenlos) besorgen.
- Antrag bei der zuständigen Elterngeldstelle einreichen. Jedes Bundesland hat eigene Formulare. In Bayern, Berlin, Hamburg, NRW, Sachsen-Anhalt geht es bereits online über ElterngeldDigital.
- Gemeinsam unterschreiben — wichtig: beide Eltern unterschreiben, auch wenn nur ein Elternteil Geld bekommt.
- Bescheid abwarten (4–8 Wochen), erste Zahlung meist rückwirkend zum Geburtsmonat.
Frist-Tipp: Elterngeld wird maximal 3 Monate rückwirkend gezahlt. Wer 6 Monate nach der Geburt den Antrag stellt, verliert 3 Monate Geld. Also zügig loslegen.
7. Typische Fehler beim Elterngeld
- Falsche Bezugsmonate wählen (können nachträglich nur begrenzt geändert werden)
- Mutterschaftsgeld-Monate nicht eingerechnet — die gelten als verbrauchte Elterngeld-Monate
- Steuerklasse nicht vor der Schwangerschaft optimiert — Wechsel in Steuerklasse III kann Elterngeld deutlich erhöhen (Frist: spätestens 7 Monate vor Mutterschutz)
- Nebentätigkeit vergessen — Einnahmen während Elterngeld-Bezug müssen angegeben werden
- Nur ein Partner unterschreibt — Antrag wird zurückgewiesen
FAQ
Bis wann muss ich Elterngeld beantragen? Technisch gibt es keine Ausschlussfrist, aber Elterngeld wird nur 3 Monate rückwirkend gezahlt. Beantrage es in den ersten Wochen nach Geburt.
Kann ich während Elterngeld arbeiten? Ja, bis 32 Stunden pro Woche. Das Einkommen wird angerechnet und reduziert den Elterngeldbetrag entsprechend.
Lohnt sich ElterngeldPlus? Für Eltern, die in Teilzeit arbeiten wollen, fast immer. Der monatliche Betrag ist zwar halbiert, dafür bekommst du ihn doppelt so lange.
Wer zahlt das Elterngeld aus? Die Elterngeldstelle deines Bundeslands — meist angesiedelt bei der Stadt, dem Landkreis oder einem Landesamt für Familie.
Kann ich Mutterschaftsgeld und Elterngeld gleichzeitig bekommen? Nein. Während des Mutterschutzes bekommt die Mutter Mutterschaftsgeld + Arbeitgeberzuschuss. Diese Monate werden auf das Basiselterngeld angerechnet.
