Erbschein beantragen 2026
Kurz gesagt: Der Erbschein ist die amtliche Bestätigung, dass du Erbe bist. Du brauchst ihn, um auf Bankkonten, Grundbücher und Versicherungen des Verstorbenen zugreifen zu können. Antrag beim Nachlassgericht (Amtsgericht) am letzten Wohnsitz. Kosten: gestaffelt nach Nachlasswert, doppelte Gebühr (Gericht + eidesstattliche Versicherung).
Inhalt
- Wann brauche ich einen Erbschein?
- Wann nicht?
- Erbschein-Arten
- Unterlagen für den Antrag
- Kosten
- Ablauf Schritt für Schritt
- FAQ
1. Wann brauche ich einen Erbschein?
Du brauchst einen Erbschein, wenn du als Erbe …
- Grundstücke übernehmen willst (Grundbuchberichtigung)
- Bankkonten auflösen oder umschreiben willst (wenn keine Vollmacht)
- Wertpapier-Depots übertragen willst
- Ansprüche aus Lebensversicherungen oder Bausparverträgen geltend machst (wenn keine Bezugsberechtigung eingetragen)
- Behördliche Nachweise brauchst (Rentenversicherung, Finanzamt)
2. Wann brauche ich KEINEN Erbschein?
- Wenn ein notariell beurkundetes Testament oder Erbvertrag vorliegt, reicht das in Verbindung mit dem Eröffnungsprotokoll des Nachlassgerichts oft aus — Banken und Grundbuchämter akzeptieren das.
- Wenn eine transmortale Vollmacht existiert, kannst du über Konten ohne Erbschein verfügen.
- Bei sehr kleinen Nachlässen unter ~5.000 € legen Banken oft erleichterte Nachweise an (Sterbeurkunde + Ausweis + Verwandtschaftsnachweis reichen manchmal).
Tipp: Frag vor Beantragung bei der Bank / dem Grundbuchamt nach, ob ein Erbschein wirklich nötig ist. Das spart oft hunderte Euro.
3. Erbschein-Arten
| Art | Wofür |
|---|---|
| Alleinerbschein | eine Person ist Alleinerbe |
| Teilerbschein | nur ein bestimmter Miterbe weist seine Quote nach |
| Gemeinschaftlicher Erbschein | mehrere Miterben in einer Urkunde |
| Gegenständlich beschränkter Erbschein | nur für bestimmte Nachlassgegenstände (z. B. Auslandsimmobilie) |
| Europäisches Nachlasszeugnis | EU-weit gültig |
4. Unterlagen für den Antrag
| Dokument | Zweck |
|---|---|
| Sterbeurkunde des Erblassers | Todesnachweis |
| Personalausweis / Reisepass aller Antragsteller | Identität |
| Familienstammbuch oder Geburtsurkunden | Verwandtschaftsnachweis |
| Heiratsurkunde des Erblassers | Güterstand |
| Testament / Erbvertrag (falls vorhanden) | Erbfolge |
| Eröffnungsprotokoll | bei existierendem Testament vom Gericht |
| Angaben zum Nachlasswert | Grundlage für die Gebühr |
| Eidesstattliche Versicherung | vor dem Rechtspfleger oder Notar |
5. Kosten nach Nachlasswert
- Gerichtsgebühr nach GNotKG (KV 12210)
- Zusatzgebühr für die eidesstattliche Versicherung (gleiche Höhe)
- Verbindlichkeiten (Schulden, Bestattungskosten) werden abgezogen → Reinnachlass
6. Ablauf Schritt für Schritt
- Klären, ob Erbschein wirklich nötig (Bank/Grundbuchamt fragen)
- Nachlassgericht ermitteln — zuständig ist das Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen
- Unterlagen zusammenstellen (siehe oben)
- Termin beim Nachlassgericht vereinbaren oder Antrag beim Notar stellen (kostet gleich viel)
- Eidesstattliche Versicherung leisten: Du bestätigst, dass deine Angaben stimmen und nichts Gegenteiliges bekannt ist
- Bearbeitungszeit: 4–12 Wochen (bei einfachen Fällen schneller, bei Streit länger)
- Erbschein abholen — Original bleibt beim Gericht, beglaubigte Abschriften werden ausgegeben
Tipp: Mehrere beglaubigte Abschriften bestellen (je 1–2 € extra), da Banken und Behörden oft ein Original behalten.
FAQ
Was ist ein Erbschein? Der Erbschein ist ein amtliches Zeugnis des Nachlassgerichts, das dich als Erben und deine Erbquote ausweist. Mit ihm belegst du gegenüber Banken, Grundbuchamt und Versicherungen, dass du über den Nachlass verfügen darfst.
Was kostet ein Erbschein? Die Gebühr richtet sich nach dem Reinnachlass und fällt doppelt an — einmal fürs Gericht, einmal für die eidesstattliche Versicherung. Bei 100.000 € Nachlasswert sind das zusammen rund 546 €, bei 1 Mio. € etwa 3.470 €.
Wo beantrage ich einen Erbschein? Zuständig ist das Nachlassgericht — also das Amtsgericht am letzten Wohnsitz des Verstorbenen. Alternativ nimmt ein Notar den Antrag zu denselben Kosten auf.
Was passiert, wenn man keinen Erbschein beantragt? Ohne Erbschein und ohne notarielles Testament oder Vollmacht bekommst du oft keinen Zugriff auf Konten oder Grundbucheinträge des Verstorbenen. Nötig ist er aber nicht immer — kläre vorab mit Bank und Grundbuchamt, ob andere Nachweise reichen.
Wie lange dauert die Ausstellung eines Erbscheins? In einfachen Fällen vier bis zwölf Wochen. Streiten sich Miterben, zieht sich das Verfahren über Monate bis Jahre. Vollständige Unterlagen und eine früh abgelegte eidesstattliche Versicherung beschleunigen es.
Kann ich den Erbschein online beantragen? Einige Nachlassgerichte bieten teilweise digitale Antragsformulare, aber die eidesstattliche Versicherung muss fast überall persönlich abgelegt werden.
Was passiert, wenn ich das Erbe ausschlagen will? Dann beantragst du keinen Erbschein, sondern erklärst die Ausschlagung binnen 6 Wochen nach Kenntnis beim Nachlassgericht oder Notar. Achtung: Nach 6 Wochen gilt das Erbe als angenommen.
Ist der Erbschein international gültig? Innerhalb der EU kannst du stattdessen ein Europäisches Nachlasszeugnis beantragen — es ist EU-weit anerkannt.
